










Jetzt treibe ich mich schon seit mehr als zwei Jahren im Osten der Republik herum und als Kulturhistoriker fallen mir selbstverständlich immer wieder Dinge auf, die es so im Westen nicht gibt oder da nur selten anzutreffen sind. Dazu gehören diese schrägen Wände, die etwa zahlreiche Buswartehäuschen seitlich begrenzen, aber auch viele der typisierten Wochenendhäuschen/Bungalows aus DDR-Zeiten, Kioske, Trafohäuschen, Windfänge an Häusern und zuweilen auch Garagen.

(Deutsche Fotothek: df_gw_0001312; Fotograf: Weber, Gerhard)
Manchmal erfüllen diese Kleinbauten noch immer die Funktion, die ihnen ursprünglich zugedacht war. Oft nutzte man sie um, zum Beispiel wenn eine Bushaltestelle/Buslinie aufgegeben wurde. Allem Anschein nach wecken diese kleinen Gebäude bis heute Emotionen. Bei den Datschen ist das klar, da mit Ihnen Erinnerungen an das Familienleben in jungen Jahren und sicher auch die eine oder andere Party verbunden sind. Doch auch die Wartehäuschen scheinen für die in der Nähe lebenden Menschen emotionale Qualitäten zu haben. Denn selbst die, an denen kein Bus mehr hält, werden wohl so gut wie nie abgerissen. Wer weiß, vielleicht kommt ja doch noch mal ein Bus und sie werden wieder gebraucht? Stattdessen gibt man ihnen eine neue Funktion: etwa als Mini-Bibliothek, Geräteschuppen oder man lässt sie einfach so, wie sie sind, setzt sich auf die Bank und träumt von alten Zeiten, als man hier mit seinen Freunden tagtäglich zusammenkam.
Ich habe lange gegoogelt, aber nicht herausbekommen, seit wann diese schrägen Seitenteile oder-keile in Mode kamen. Das mag damit zu tun haben, dass ich nicht einmal sagen kann, wie die Fachleute diese Bestandteile der Kleinarchitektur bezeichnen. Dementsprechend kann ich auch nicht sagen, wer auf diese einfache und daher grandiose Idee der angeschrägten Seitenwände überhaupt gekommen ist. Mir gefällt diese Idee, weil sie eine gelungene Ästhetik mit einer -im Vergleich zu geraden Wänden – Ersparnis von Material verbindet. Es gibt Indizien, die darauf hindeuten, dass man irgendwann in den frühen 1970er Jahren damit begann, diese Architekturelemente praktisch überall dort einzusetzen, wo sie in Frage kamen. Aber auch das ist nur ein Verdacht. Vielleicht wissen Sie ja mehr? Dann würde ich mich über einen Hinweis freuen.

(Screenshot 16.04.2024 aus dem Mitteilungsblatt Hohnstein)