In meinem letzten Blogbeitrag hab ich nicht nur den Beginn meiner Recherchen zu den Menschenschauen im 19. Jahrhundert geschildert, sondern auch die Geschichte des Prinzen Dido zumindest angerissen. Im Zuge meiner Recherchen stieß ich aber auch noch auf eine andere Geschichte. Ebenfalls eine zu einer konkreten Person, mit ebenfalls kolonialem Bezug, hier jetzt nun aber mit Bezug zu den Kolonien des britischen Königreichs im Süden Afrikas. Dort drangen 1879 britische Truppen von Natal aus in das Land der Zulus ein, um es zu annektieren. Am 22. Januar kam es zur Schlacht bei Isandhlwana, bei der die Briten gegen die zwar nur mit einfachsten Waffen ausgerüsteten, zahlenmäßig aber weit überlegenen Zulus unter Führung von König Cetshwayo eine verheerende Niederlage einstecken mussten. Die schwerste einer britischen Feldabteilung überhaupt. Die Konsequenz daraus war, dass die Briten ihr Truppenkontingent in Südafrika erheblich aufstockten, um bereits im Juli 1879 die Armee der Zulu vernichtend zu schlagen und ihr Land unter britische Hoheit zu bringen. Cetshwayo verbrachte man in ein Gefängnis nach Kapstadt. Diese Ereignisse schlugen weltweit, besonders aber natürlich in Großbritannien, hohe Wellen in der Presse. Die Tatsache, dass es einem indigenen Heer – wenn auch nur in einer Schlacht – gelungen war, mit einfachen Speeren (Assagais) eine europäische Supermacht zu besiegen, schien bis zu diesem Zeitpunkt unvorstellbar. Konnte sich so etwas noch einmal wiederholen? 1879 war die Presse also voll mit Berichten aus dem Zululand, heute einem Distrikt innerhalb der südafrikanischen Provinz KwaZulu-Natal.

„John Bull (puzzled):
„He’s cost me enough to catch him! And now I’ve got him, what am I To do with him?
The Great F-rini (with alacrity):
Might I suggest the Aquarium?“
(aus The Punch, or The London Charivari, 27 September 1879)
Was lag für einen geschäftstüchtigen Veranstaltungsmanager wie dem „Großen Farini“ (= William Leonard Hunt, 1838-1929) also näher, als Zulus nach England zu „importieren“, um sie dort öffentlich zu präsentieren? Noch während der Auseinandersetzungen in Südostafrika gelangten so 1879 einige Zulus nach Großbritannien. Zuständig für die Überführung der Zulus war ein ehemaliger Mitarbeiter des amerikanischen Großveranstalters und Zirkusunternehmers Barnum, Nat. Behrens, der für Hunt tätig war. Um keinen Zweifel an der Echtheit der Zulus aufkommen zu lassen, ließ sich Behrens schon an Bord der Balmoral Castle von allen Passagieren und Crewmitgliedern attestieren, dass es sich um echte Zulus handelte. 1
Weiterlesen „Die „Zulu-Prinzessin“ Amazula – Schauobjekt oder Unterhaltungskünstlerin auf Welttournee (1880 -85)? – Großbritannien – [1/4]“