Teil 1/4 Großbritannien
Teil 2/4 Frankreich
Teil 3/4 USA
Vom 15. November 1884 bis zum 26. Februar 1885 fand in Berlin auf Einladung des deutschen Reichskanzlers Otto von Bismarck die sogenannte „Berliner Konferenz“, auch „Westafrika-Konferenz“ oder „Kongo-Konferenz“ statt. Elf europäische Staaten sowie Russland, die USA und das Osmanische Reich nahmen daran teil. Abgesandte Afrikas hingegen waren dort nicht vertreten. Das Schlussdokument der Konferenz, die Kongoakte, bildete die Grundlage für die nachfolgende Aufteilung Afrikas durch die Kolonialmächte.
Berlin
Es ist also sicher kein Zufall, sondern auf die Geschäftstüchtigkeit ihres Impresarios Nat. Behrens, einem ehemaligen Mitarbeiter Barnums, zurückzuführen, dass zum Jahreswechsel 1884/85 plötzlich Amazula und ihre Gruppe in Berlin eintreffen, um dort ihre Tournee durch Deutschland zu starten. Das Umfeld ist gerade günstig und garantiert der Gruppe ein hohes Maß an Aufmerksamkeit.
So treffen sie am 30. Dezember um Mitternacht, von London über Hamburg kommend, am Lehrter Bahnhof in Berlin ein und werden sofort zu Castan’s Panoptikum gebracht, wo sie dann auch für die nächsten Wochen einquartiert werden. Die Presse ist von der „schönen, üppigen Erscheinung“ der angeblich 23jährigen Amazula vom ersten Moment an höchst angetan. Obwohl ihr richtiger Name ja eigentlich „Adz-Mwoula“ sein soll, nennt sie sich Amazula, weil ihr Mann, der bei den Auseinandersetzungen im Zululand ums’s Leben kam, angeblich so hieß. Möglicherweise aber auch, weil ihr Volk so hieß. Sie und ihr Sohn Umgame (7 Jahre) sind die Hauptpersonen. Obwohl er der eigentliche Chef der Gruppe sein soll, spielt der „Häuptling“ Incomo (32 Jahre) im Grunde als komplementäre Erscheinung eher eine Nebenrolle. Gleiches trifft auf die „Krieger“ Umfula, der zugleich als Medizinmann fungiert, und Umsafila zu.1
Ihren ersten Auftritt, wenn man das so nennen will, haben sie im Rahmen der Silvesterfeier im engeren Kreis der Familie Castan. Offenbar treten sie dort, neugierig beäugt von den Anwesenden, auch sogleich in Aktion. „Wenn die Freudentänze und Gesänge diese schwarzen Menschenbrüder auch allen Respekt erregten, so muss man doch sagen, daß sie bei weitem nicht eine solche Abscheu erregten, wie die dort kürzlich gehörten Gesänge der Kannibalen von Neu-Queensland (…).“ Na, immerhin. Weiter wird darauf hingewiesen, dass sich die Zulus in London wohl schon ziemlich gut akklimatisiert hätten, denn sie würden hier nun auch Kaffee, Weißbrot mit Butter und europäisch zubereitetes Fleisch zu sich nehmen und nicht nur Milch, Hirse und nach ihrer Art zubereitetes Fleisch.2


