Kleinarchitektur: Schräge DDR-Relikte

Jetzt treibe ich mich schon seit mehr als zwei Jahren im Osten der Republik herum und als Kulturhistoriker fallen mir selbstverständlich immer wieder Dinge auf, die es so im Westen nicht gibt oder da nur selten anzutreffen sind. Dazu gehören diese schrägen Wände, die etwa zahlreiche Buswartehäuschen seitlich begrenzen, aber auch viele der typisierten Wochenendhäuschen/Bungalows aus DDR-Zeiten, Kioske, Trafohäuschen, Windfänge an Häusern und zuweilen auch Garagen.

Jugendtreff im Wartehäuschen, schätzungsweise späte 1970er Jahre
(Deutsche Fotothek: df_gw_0001312; Fotograf: Weber, Gerhard)

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Die „Zulu-Prinzessin“ Amazula – Schauobjekt oder Unterhaltungskünstlerin auf Welttournee (1880 -85)? – Deutschland – [4/4]


Teil 1/4 Großbritannien
Teil 2/4 Frankreich
Teil 3/4 USA

Vom 15. November 1884 bis zum 26. Februar 1885 fand in Berlin auf Einladung des deutschen Reichskanzlers Otto von Bismarck die sogenannte „Berliner Konferenz“, auch „Westafrika-Konferenz“ oder „Kongo-Konferenz“ statt. Elf europäische Staaten sowie Russland, die USA und das Osmanische Reich nahmen daran teil. Abgesandte Afrikas hingegen waren dort nicht vertreten. Das Schlussdokument der Konferenz, die Kongoakte, bildete die Grundlage für die nachfolgende Aufteilung Afrikas durch die Kolonialmächte.

Berlin
Es ist also sicher kein Zufall, sondern auf die Geschäftstüchtigkeit ihres Impresarios Nat. Behrens, einem ehemaligen Mitarbeiter Barnums, zurückzuführen, dass zum Jahreswechsel 1884/85 plötzlich Amazula und ihre Gruppe in Berlin eintreffen, um dort ihre Tournee durch Deutschland zu starten. Das Umfeld ist gerade günstig und garantiert der Gruppe ein hohes Maß an Aufmerksamkeit.
So treffen sie am 30. Dezember um Mitternacht, von London über Hamburg kommend, am Lehrter Bahnhof in Berlin ein und werden sofort zu Castan’s Panoptikum gebracht, wo sie dann auch für die nächsten Wochen einquartiert werden. Die Presse ist von der „schönen, üppigen Erscheinung“ der angeblich 23jährigen Amazula vom ersten Moment an höchst angetan. Obwohl ihr richtiger Name ja eigentlich „Adz-Mwoula“ sein soll, nennt sie sich Amazula, weil ihr Mann, der bei den Auseinandersetzungen im Zululand ums’s Leben kam, angeblich so hieß. Möglicherweise aber auch, weil ihr Volk so hieß. Sie und ihr Sohn Umgame (7 Jahre) sind die Hauptpersonen. Obwohl er der eigentliche Chef der Gruppe sein soll, spielt der „Häuptling“ Incomo (32 Jahre) im Grunde als komplementäre Erscheinung eher eine Nebenrolle. Gleiches trifft auf die „Krieger“ Umfula, der zugleich als Medizinmann fungiert, und Umsafila zu.1

Castan’s Panoptikum in Berlin, um 1890 (Stadtmuseum Berlin)


Ihren ersten Auftritt, wenn man das so nennen will, haben sie im Rahmen der Silvesterfeier im engeren Kreis der Familie Castan. Offenbar treten sie dort, neugierig beäugt von den Anwesenden, auch sogleich in Aktion. „Wenn die Freudentänze und Gesänge diese schwarzen Menschenbrüder auch allen Respekt erregten, so muss man doch sagen, daß sie bei weitem nicht eine solche Abscheu erregten, wie die dort kürzlich gehörten Gesänge der Kannibalen von Neu-Queensland (…).“ Na, immerhin. Weiter wird darauf hingewiesen, dass sich die Zulus in London wohl schon ziemlich gut akklimatisiert hätten, denn sie würden hier nun auch Kaffee, Weißbrot mit Butter und europäisch zubereitetes Fleisch zu sich nehmen und nicht nur Milch, Hirse und nach ihrer Art zubereitetes Fleisch.2

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Gerettet! Die Bibliothek des Klosters St. Marienthal ist nun im Besitz des Freistaats Sachsen

St. Marienthaler Psalter, Kalenderseite Dezember und Darstellung Aarons
(SLUB Dresden, St. Marienthal, F5/31, Bl. 6v/7r; ©SLUB Dresden/Ramona Ahlers-Bergner)
Kapiteloffiziumsbuch des Zisterzienserklosters Altzelle, Ende des Martyrologiums und Beginn der Benediktregel
(SLUB Dresden, St. Marienthal, H1/5, Bl. 112v/113r; ©SLUB Dresden/Ramona Ahlers-Bergner)

Das nahe der polnischen Grenze gelegene Zisterzienserkloster St. Marienthal im sächsischen Ostritz ist ein idyllischer, sehr besuchenswerter Ort. Doch vor gut einem Jahr sorgte die Nachricht, dass das Kloster zwei seiner wertvollsten Handschriften in den freien Handel geben wollte, für Aufregung. Das Neiße-Hochwasser 2010 erforderte zur Sanierung der Gebäude den Einsatz erheblicher Eigenmittel, um an die notwendigen Fördermittel zu gelangen . Zudem ließ die Corona-Krise die Einnahmen sinken, sodass man 2022 keine andere Lösung mehr sah, als die oben abgebildeten Handschriften zu verkaufen, um wieder liquide zu werden. Die Fachwelt war entrüstet. Zu Recht!

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Das Technische Museum der Bandweberei in Großröhrsdorf

Als ich vor etwa zwei Jahren hier in Sachsen meine Fühler ausstreckte und meine Freundin zum Rathaus in Großröhrsdorf begleitete, war ich ob seiner Dimension doch etwas irritiert. Wir waren einige Kilometer durch den Ort gefahren und auf den ersten Blick wirkte der größte Teil der Bebauung auf mich etwas monoton und recht bescheiden, um nicht zu sagen ziemlich langweilig. Und dann so ein Rathaus?

Das Rathaus um 1912, sozusagen „auf der grünen Wiese“ (Deutsche Fotothek)

Das machte mich neugierig und ich beschloss, mir den Ort etwas genauer anzusehen. Ja klar, da waren einige alte, baufällige und ein paar aktive Industriegebäude am Straßenrand. Zum Teil auch solche, die man in einem Ort dieser Größenordnung nicht erwarten würde. Und dann auch noch einige große, hochherrschaftliche Villen. Oft abseits der Fabriken, etwas versteckt in Nebenstraßen. Schnell war klar, dass in Großröhrsdorf einmal zahlreiche Schornsteine rauchten und der Ort seine Größe einer Vielzahl von Industriebetrieben verdankte. Doch was produzierten sie?

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Im Osten was Neues: „Kulturelle Welten“ wechselt die Perspektive

Manchen mag dieser Blog bekannt vorkommen. Bis vor einigen Jahren gab es schon einmal einen Blog namens „Kulturelle Welten“. Inzwischen haben sich meine Lebensumstände jedoch erheblich geändert und wer aufmerksam ist, hat schon bemerkt, dass sich mein Lebensmittelpunkt und somit auch der geografische Schwerpunkt des Blogs vom Rheinland in den Osten, genauer nach Sachsen verlagert.

Zukünftig werden hier also Entdeckungen und Beobachtungen in meiner neuen Umgebung einen Schwerpunkt bilden. Ich möchte dabei den Blick auf Museen, kulturelle Ereignisse sowie Sehens- und Merkwürdigkeiten lenken, die mir hier bemerkenswert erscheinen. Daneben werde ich aber sicher auch wieder etwas zu den Themengebieten schreiben, die mich besonders interessieren: Provenienzforschung, Geschichte des Gartenbaus, Frankreich …. Lassen wir uns überraschen, was aus diesem Blog wird.